Review Futurale Filmfestival – Mein wunderschöner Arbeitsplatz

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Review Futurale Filmfestival – Mein wunderschöner Arbeitsplatz

Der Film „Mein wunderschöner Arbeitsplatz“ (Frankreich 2014) wurde im Rahmen des Futurale Filmfestivals Arbeit 4.0 am 02.12.2016 mit anschließender Podiumsdiskussion im Studio 17 in Friedrichshafen am Bodensee gezeigt. Im Anschluss an den Film fand eine Podiumsdiskussion geführt vom Leiter des Bodenseezentrums Innovation 4.0, Herrn Hutschek, Herrn Dr .Schiedner, Personal- und Organisationsentwicklung ZF Friedrichshafen AG und Frau Groth, MdB und menschenrechtspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion die LINKE statt.

Futurale

Inhalt des Films

Der Film hat verschiedene Firmen / Organisationen (u.a. Favi, Harley Davidson, Poulet, das belgische Sozialministerium, etc.) vorgestellt, die sich allesamt dadurch auszeichnen, sich organisatorisch neu aufzustellen und alternative Wege hinsichtlich ihrer Führungskultur beschritten zu haben.

Der Ausdruck „befreite Firmen“ wird mehrfach erwähnt und kennzeichnet Organisationen, die die klassische, dem Militär in der beginnenden industriellen Rvolution entlehneten Führungsstrukturen, hinter sich läßt. Verantwortung aber auch Kompetenz wird von der Organisation an die Mitarbeiter zurückgegeben, die vorher von den Rollen des hierarchischen Systems wahrgenommen wurden. Die Neustrukturierung dieser Organisationen wurde notwendig, da sich die Rahmen- und Randbedingungen am Markt geändert haben und das bis dato installierte System nicht überlebensfähig war und in der Konsequenz ausgetauscht wurde.

Die vorgestellten Organisationen haben der destruktiven Stimmung mit für Ihre Maßstäbe innovativen Methoden und Maßnahmen eine neue Perspektive für die Mitarbeiter gegeben.

In der aktuellen Diskussion um Globalisierung, die Digitalisierung, Industrie 4.0 stehen immer mehr Organisationen aber auch Gesellschaften vor der Frage, wie sie Vorraussetzungen schaffen die es ihnen ermöglichen sich aus dem Industriezeitalter ins Informationszeitalter zu transformieren. Im gleichen Zuge wird die Frage diskutiert inwieweit sich diese Veränderungen auf das Leben jedes einzelnen auswirken.

Was sind also die Rezepte mit denen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft diese Herausforderungen zu adressieren versucht?

Podiumsdiskussion

Die Podiumsdiskussion hat leider bis auf Ansätze, die Herr Dr. Schiedner aus dem Projekt zur Bürogestaltung im neuen ZF Forum berichten konnte, keine konkreten Themen adressiert. Es gab keine Antworten die in der Lage gewesen wären die Frage zu beantworten, was das Gesehene mit der aktuellen Situation zur Diskussion um die o.g. Themen hier und heute bedeutet.

Eine Aussage kann man mit etwas zeitlichem Abstand zu der Veranstaltung allerdings treffen. Die Antwort zur Frage was es braucht um die Zukunft anzupacken haben Dr. Schiedner und Frau Groth zwischen den Zeilen geliefert. Dr. Schiedner hat das neue Bürokonzept des ZF Forums vorgestellt und die Möglichkeiten und Freiheiten benannt die die Mitarbeiter dort vorfinden. Dazu gehören, freie Wahl des Arbeitsplatzes im Büro, mobiles Arbeiten, keine starren Arbeitszeiten, etc.. Frau Groth hat all diese Aspekte im Grunde abgelehnt, gleichzeitig aber in keinster Weise inhaltliche Antworten zu den direkten Fragestellungen aus dem Plenum geben können.

Interessanterweise kommt hier ein Aspekt ins Spiel, den ich so an dieser Stelle nicht erwartet habe: das Menschenbild von den beide in ihrer Argumentation ausgehen. Während Dr. Schiedner von der Annahme ausgeht, das der Mensch mit den neuen Freiheiten, aber auch den dazugehörigen Begleiterscheinungen umgehen können wird, argumentiert Frau Groth aus der Perspektive des unmündigen Mitarbeiters, dem nicht zugetraut wird souverän Entscheidungen treffen zu können.

Natürlich entsteht ein schiefes Bild, wenn auf der einen Seite ein High-Tech Bau aus dem Jahr 2016 eines der größten Automobilzulieferer der Welt und die dort angesiedelten Arbeitsplätzen von Zentralabteilungen mit Arbeitsplätzen in hiesigen Großschlachtereien oder der Textilindustrie in Bangladesch auf Shopfloorebene undifferenziert in einen  Topf geworfen werden. Dieses schiefe Bild hat allerdings dazu geführt, das ich mich gefragt habe, was es denn im Kern braucht um die existentiellen Frage, wie sich der Wandel in die Zukunft gestalten läßt, konstruktiv anzugehen, und zu dieser Frage hat der Film mehr als eine Antwort gegeben.

Welche Eigenschaften sind also beschrieben worden? Es wurde von menschen berichtet, die davon überzeugt waren, dass es neben dem ausgetrampelten Pfad der Mainstream-Management Möglichkeiten andere Wege geben muss eine Organisation wieder fit zu machen für die Belange des aktuellen und zukünftigen Marktumfelds.

Jean-Francois Zobrist, ehem. Direktor der Firma Favi hielt sich an zwei Grundsätze bei der Re-Strukturierung seines Unternehmens:

  1. Der Mensch ist gut. Ich vertraue meinen Mitarbeitern
  2. Die Liebe zum Kunden

Dieser erste Grundsatz, speziell der zweite Teil sind m. E. die wesentliche Basis für Menschen wenn sie gemeinsam etwas erreichen wollen oder müssen. Vertrauen! Neben Vertrauen gehören aber auch weitere im Film vorgestellte Eigenschaften wie Mut, Weitblick, Selbstwert, Zuverlässigkeit,  Integrität, Offenheit, die Fähigkeit zu entscheiden als auch loszulassen und sich selbst zurückzunehmen dazu.

Bei all diesen Punkten stellt sich die Frage inwieweit unsere Gesellschaft  in der Lage ist diese Eigenschaften bereitzustellen um den Herausforderungen der Zukunft, die hier und heute vor der Tür stehen, tatsächlich wirksam zu begegnen. Sind das Eigenschaften, die eine breite Mehrheit der Gesellschaft heute tatsächlich aufweist, oder sind es am Ende einige wenige, die diese Eigenschaften mitbringen und dann entweder zum Wohle einer Gesellschaft oder einer Organisation einsetzen oder genau das Gegenteil tun?

Liegt es am Ende in der Hand weniger Menschen, die diese Eigenschaften mitbringen, eine Perspektive entwickeln können, Menschen abholen und inspirieren können, damit diese über sich selbst und die Sache um die es geht hinauswachsen können? Ist es wirklich eine mehr oder weniger kleine „Elite“, die diese Fähigkeiten hat? Oder sollte es uns wichtig sein, dass wir uns gesellschaftlich in eine Richtung bewegen, diese Eigenschaften auf viele Schultern zu verteilen und eine Ausgewogenheit bei gleichzeitig steigender Handlungs- und Zukunftsfähigkeit zu erhalten.

Ich persönlich habe in jüngster Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht Vertrauen zu investieren und kann heute auf eine „Rendite“ nach Abzug aller Kosten zurückblicken, die sich mehr als gelohnt hat. Das Projekt Dr. Schiedners deckt mit ca. 600 Arbeitsplätzen aktuell nur knapp 0,4% aller Arbeitsplätze bei seinem Arbeitgeber ab. Es ist ein Vertrauensvorschuss des Unternehmens Möglichkeiten in dieser Art anzubieten, denn Akzeptanz und Mehrwert für das Unternehmen fließen nicht mit einer berechenbaren Formel zurück ins Unternehmen. Ob und wie das Konzept dauerhaft erfolgreich wird, hängt sicherlich daran, wie der Dialog zwischen Unternehmen und Mitarbeitern hinsichtlich der Nutzung und der damit zusammenhängenden Rand- und Rahmenbedingungen gestaltet wird.

Ich gehe davon aus, dass es wird sich lohnen wird Vertrauen zu investieren und gleichzeitig davon auszugehen, dass ich als Unternehmen  in der Mehrheit mündige Mitarbeiter habe, die es schaffen werden mit den Freiheiten und den damit einhergehenden Herausforderungen einen Umgang zu finden. Gleichzeitig muss das Unternehmen aber eine Kanal gestalten über den es ein Feedback bekommt was Probleme und Herausforderungen im Arbeitsalltag der Mitarbeiter betrifft um schnell und unbürokratisch auf akuten Bedarf reagieren zu können.

Sehr wahrscheinlich ist dabei, das jeder sich von bestimmten Gewohnheiten trennen muss und neue erlernen muss. Wenn ich mobil und flexibel arbeiten möchte, dann muss ich meine Arbeitszeit und die damit verbundenen gesetzlichen Regelungen vielleicht selbst auf dem Schirm haben. Letztlich ist das aber das ganz normale Leben. Beispiel: Wenn ich Dinge im Internet erledige dann muss ich mich auch mit den dazugehörigen Randbedingungen auseinandersetzten. Sonst sollte ich das ganze vielleicht besser lassen.

Mein abschließendes Fazit zum Film: Wir sollten die Veränderung auf dem Weg in die Zukunft als grundsätzliche  Konstante des Lebens ansehen und uns damit beschäftigen und damit rechnen, denn es muss sich noch viel ändern, damit alles so bleibt wie es ist. Dazu braucht es persönliche Werte, Vertrauen, Mut und Durchhaltevermögen.

1 Kommentar

  1. Marvin sagt:

    Hallo Hauke,

    sehr ausführlicher Beitrag zum Film, den ich ebenso am Bodensee gesehen habe, und zu Deiner Sicht wie Du das Ergebnis der Podiumsdiskussion siehst. Ich würde sagen Du hast das voll auf den Punkt gebracht! Und wie Du schon geschrieben hast-> Wir sollten Veränderung auf dem Weg in die Zukunft zulassen und mehr in Vetrauen, Mut und Durchhaltevermögen investieren!

    Gruß MARVIN

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